Grias eich mitanand,

vorweg muss ich mich gleich einmal entschuldigen. Technische Probleme sind für die lange Pause verantwortlich. Ich konnte leider aus Österreich die Seite nicht erreichen. Aber jetzt bin ich wieder „connected“ und darf meiner „Schreib-Motivation“ erneut freien Lauf lassen.

Beim letzten mal ging es um eine Fehlkonstruktion mit schlechter Nebenwirkung und einen dadurch nötigen Umbau. Auch den Einzug der Stockkarte in das digitale Zeitalter habe ich euch vorgestellt.

Heute darf ich euch über ein sehr freudiges Ereignis berichten. Ein befreundeter Imker aus dem hiesigen Imkerverein hat mir einen seiner Ableger verkauft.
Dazu kam es eigentlich relativ überraschend.
Das erste Volk ist gerade mal angekommen und ist in seine neue Beute gezogen, da hatten wir auch schon Besuch am Bienenstand. Ein Radler in voller Montur hielt kurz an und fragte ob wir denn hier Bienen hätten. Ehrlich gesagt war das offensichtlich, denn zum Spass hatte ich sicherlich nicht den Overall mit Schleier und Handschuhen bis zum Ellenbogen an. Vielleicht trägt das jemand zur reinen Freude an der Gaudi – wir jedoch nur wegen der Gaudi an der Arbeit. Naja, so kamen wir wenigsens ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass dieser Radler auch Imker ist und seine Völker Nähe einer evangelischen Kirche bei uns in Neumarkt stehen hat. Wir haben uns sehr über das liebe Gespräch gefreut. Ich habe ihm meine Karte mitgegeben und um Kontakt gebeten falls er mal einen Ableger „übrig hat“.
Irgendwann – ich hab ja schon fast nicht mehr daran gedacht – kam der Anruf. Ein Ableger mit unseren Namen drauf steht bereit. Wir wurden uns recht schnell einig was die Finanzen betrifft und am selben Tag stellte er uns unsere neuen Schützlinge an den Bienenstand.
Jetzt zu der Sache mit den Rähmchen. Wie ich in einem meiner vorherigen Beiträgen schon erwähnte, habe ich mich beim Kauf meiner Beuten für das „Zander-Maß“ entschieden. Der neue Ableger ist jedoch auf „Kuntzsch breit“. Also etwas tiefer und dafür um einiges kürzer als meine Zander-Rähmchen. Natürlich habe ich keine passenden Beuten zur Hand, deshalb mussten die Ladies erst mal in Ihrem Abegerkasten bleiben. Nur nicht zu lange, da der Kasten ja nur eine Leihgabe war.
Zum besseren Verständnis habe ich hier eine kleine Übersicht zu den gängisten Rähmchenmaßen eingestellt. So könnt Ihr auch den Unterschied von Zander zu Kuntzsch ablesen.

 ABCD
Deutsch Normal, Einheitsmaß200mm370mm223mm350mm
Kuntzsch230mm330mm250mm310mm
Zander191mm420mm220mm400mm

Um einen Umzug der Kuntzsch-Rähmchen in meine Zanderbeuten zu ermöglichen, musste etwas meines „TTT“, also dem „Tim-Talor-Talent“, herhalten. Im ersten Schritt habe ich mir aus vier Holzleisten einen „Adapterrahem“ gebaut. Diesen habe ich direkt auf den Boden gesetzt und darauf eine Zarge. Der Rahmen hebt nun die Zarge um 3cm, genau die Differenz von Zander zu Kuntzsch. Somit ist die Höhe (C) der Rähmchen schon mal kein Problem mehr. Jetzt zum kniffligen Teil. Die Ableger-Rähmchen sind markant kürzer (B) als meine. Ich muss mir eine Lösung einfallen lassen, die es mir ein Einhängen ermöglicht. Mein erster Ansatz war ein Styroporblock. Den habe ich mit wenigen Schrauben in der Zarge befestigt. Zu beachten ist, dass auf der Seite der Rähmchen, oder am Besten rund herum keine offenen Stellen sind die die Bienen wild verbauen können. In späterer Folge sollen Sie ja auf Zanderrähmchen umziehen und nicht die Behelfskonstruktion als neuen Wohnort sehen.
Für die ersten Tage hat dies auch wunderbar funktioniert. Irgendwann kam dann jedoch der Moment, als mir kleine weiße Brösel im Haarkleid meiner neuen Arbeiterinnen aufgefallen sind. Ich habe mir das Styropor genauer angeschaut und musste feststellen dass die Damen angefangen haben daran zu knabbern. „Das kann doch nicht gut sein“ dachte ich mir. Also musste eine robustere Lösung her. Ich habe eine alte Zigarrenkiste mit Hilfe von Zwei Abstandblöcken in die Zarge geschraubt. Neben diese Konstruktion habe ich neue Mittelwände im Zandermaß gehängt und war der Hoffnung, die Bienen ziehen im Laufe des Volkswachstums zwingend auf die größeren Rähmchen um. Ja – das war nicht so. Das Volk wuchs stetig und zwängte sich einfach auf die vier Kuntzsch-Rähmchen. Sie sind sogar lieber auf dem Gitterboden gesessen als auf den Zanderrähmchen – warum auch immer.
Das war jetzt der Zeitpunkt meine Imkerpatin um Rat zu bitten. Ich wusste durch die Kontrolle der Brut, dass eine Königin vorhanden war. Leider habe ich sie kein einziges mal gesehen. „Ums Varegga ned“ – wie man in Bayern so schön sagt. Also bin ich mit einer Idee an Maria herangetreten: Ich nehme eine Zarge mit Zanderrähmchen und setzte es auf den Boden. Jetzt klopfe ich das ganze Volk (somit zwangsläufig auch mit Königin) in genau diese Zarge. Jetzt kommt ein Absperrgitter drauf, was die Königin dazu zwingt in der „Zander-Zarge“ zu bleiben. Die Zarge mit meiner Adapterkonstruktion kommt nun oben drauf. Die Arbeiterinnen können durch das Gitter, Futter holen und die Brut pflegen. Die Königin muss unten weiter legen. So werden die Kuntzschrähmchen zwangsläufig irgendwann brutfrei und können entfernt werden.
Der Kommentar meiner Patin: „Genau so macht man das“. Also…genau so mach ich das. Hier das Ergebnis:

Insgesamt habe ich den Vorgang des „Abschlagens“ in die neue Zarge drei mal gemacht. Die Königin ist anscheinend noch schlank genug und kam immer wieder nach oben um dort weiterzulegen. (Leider habe ich sie bis heute noch nicht gesehen!) Ich musste mir nur langsam Gedanken um die Wintervorbereitung machen. Meine Angst war, dass sich die Bienen sich noch länger Zeit lassen würden bis sie ihre neue Wohnung aktzeptieren. Das wäre nur in Hinsicht der Stabilität des Volkes, die ein Überleben des kommenden Winters sicherstellen sollte, sehr schlecht. Durch den Platzmangel auf den Kuntzsch-Rähmchen hat die Brut markat an Menge verloren. So habe ich schweren Herzens diese wenige Brut ignoriert und die Damen ein viertes mal in die untere Zarge geschlagen. Nur diesmal ohne die alten Kuntzsch-Adapterzarge wieder aufzusetzten. Im Vorfeld habe ich aus meinem Anfangsvolk, das sich über beste Gesundheit und Vitalität freuen kann, eine Brut- und eine Futterwabe entnommen. Diese Waben habe ich in die untere Zarge des Kuntzsch-Volkes gegeben um diese etwas atraktiver zu machen.

Nach einigen Tagen konnte ich mich sehr freuen! Ich hatte ja ehrlich gesagt schon etwas Angst, dass durch mein recht radikales Einschreiten das Volk vielleicht die Koffer packen könnte oder zu agressiv und gestresst ist. Nichts davon ist passiert. Sie sind völlig entspannt und vital. Die inzwischen auf den Kunztsch-Rähmchen geschlüpfte Brut, habe ich abgesammelt und in ein Transportglas gegeben. Dieses Glas habe ich dann kopfüber auf das offene Volk gestellt. So konnte ich Zeuge einer sehr beeindruckenden Sache werden.
Man muss sich folgendes vorstellen: 48 Stunden nach dem ich die kleinen Rähmchen aus dem Volk entnommen habe sind ca. 30 Bienen geschlüpft, ausserhalb vom Volk wohlgemerkt. Um genau zu sein, auf meinem Balkon an der Hauswand. Es gibt keinerlei Stockduft oder Königinnenpheromone. Also eigentlich „vogelfreie“ Jungbienen. Als „fremd“ wurden diese Jungbienen allerdings nicht von ihrem alten Volk behandelt. In dem Moment, als das Glas mit der Öffnung nach unten auf die Rähmchen gestellt wurde, kam sofort eine Arbeiterin, hat die Nassanoffsche Drüse ausgeklappt und das Sterzeln begonnen und so die Jungbienen „nach Hause“ gelotst. Leider habe ich vor lauter Aufregung vergessen ein Foto zu machen. Ich kann euch nur sagen, es war beeindruckend!

Hier noch ein paar Fotos:

Beim nächsten mal berichte ich euch über mein erstes Zeichnen einer Königin.
Bis dahin
Euer Flo